Klinge

Aufbau und Konstruktion der Klinge knifeopedia

 

Monostahl

 

Bis vor 20 Jahren waren fast alle an private Verwender verkauften Messer aus Monostahl, d.h. die gesamte Klinge besteht aus einem Stahl. Selbst heute noch sind die meisten Küchenmesser aus Monostahl hergestellt. Aber insbesondere hochwertige Messer werden heute oft mit Klingen versehen, die aus mehr als nur einer Stahlsorte bestehen. 

 

 

Geschmiedeter Damast

 

Damstklingen sind eine historische Produktionsmethode, resultierend aus der Notwendigkeit, in einer Klinge zwei Eigenschaften (Härte und Flexibilität) zu vereinen. Deshalb wurden zwei Stähle miteinander verschmiedet, mit dem Nebeneffekt eines optischen Musters, welches aus den zwei Materialien entsteht.

Heute kann man beide Eigenschaften durch das Hinzufügen von Legierungselementen in einen Stahl auf einfache Weise verbinden. Dies macht Damstklingen obsolet, da sie keine funktionalen Vorteile haben, aber mit deutlich höheren Produktionskosten verbunden sind.

Trotzdem werden auch heute noch Damastklingen geschmiedet, indem Lagen von verschiedenen Stählen aufeinandergepackt und in mehreren Schritten geschmiedet und gefaltet werden, so dass eine Vielzahl von Lagen entsteht. Da dieser Prozess extrem aufwendig ist, kosten vollgeschmiedete Damastmesser häufig über 1000 €.

Ein geschmiedetes Damastmesser kann von anderen Messern aus Mehrlagenstahl durch das durch die Schneide verlaufende Schichtmuster unterschieden werden, welches man oft auch im Kropf findet (integrierter Kropf).

  

  

Mehrlagenstahl mit Damast-Optik

Da viele historische Klingen in Museen aus Damast waren und einige Messerschmiede sehr teure Damastmesser herstellten, kamen japanische Messerproduzenten auf die Idee einer industriellen Fertigung von Messern aus Mehrlagenstahl mit der Optik von Damastmessern. Man kann sich darüber streiten, ob man solche Messer als Damast bezeichnen sollte. Wenn man Damast als Klinge aus Mehrlagenstahl definiert, dann sind dies Damastmesser. Wenn man Damast aber als geschmiedete Messer im historischen Verfahren definiert, dann haben diese nur eine Damastoptik.

 

Mehrlagenstahl wird in Stahlwerken durch das Aufeinanderstapeln von (min.) zwei verschiedenen Stählen produziert, die durch Hitze und Druck untrennbar miteinander verbunden und durch Warm- und Kaltwalzen in die gewünschte Materialdicke und Abmessung verarbeitet werden. Hier eine Illustration des Prozesses:

Kern- + Seiten- material

Schweißen auf den Seiten

Anlassen

Säure + Sandstrahl-Reinigung

Warm-walzen

Anlassen

Säure+

Sandstrahl-Reinigung

Kalt-

walzen

Schneiden +

Kontrolle

Side + core combination.png
Welding.png
Annealing.png
Acid + shot blast.png
Hot rolling.png
Annealing.png
Acid + shot blast.png
Cold rolling.png
Cutting + inspection.png
Red%20arrow_edited.jpg

Hier im Querschnitt eine Aufnahme eines 67-Lagenmaterials wie aus dem Stahlwerk geliefert:

Kernmaterial

Mikroskopaufnahme Querschnitt Mehrlagenstahl 67-Lagen Kernmaterial 33-Lagen pro Seite

Seitenlagen

(33 pro Seite)

In einer Messerfabrik wird der Stahl dann wie folgt weiterverarbeitet, um das Damastmuster freizulegen (siehe Abb. unten):

1:

Über ein Werkzeug werden Vertiefungen auf dem Mehrlagenstahl aufgebracht und dadurch Wellen im Stahl erzeugt.

 

2:

Das Blech wird in eine V-Form geschliffen und dadurch die Lagen des Stahls offengelegt. Ohne die Vertiefungen würden die Lagen als gerade Linien zu sehen sein. Über das Stanzen können Muster auf der Klinge erzeugt werden.

 

3a:

Polierter Damast: die gesamte Klinge vom Kropf bis zur Spitze wird hochglanzpoliert. Die Klinge wird dann mit hohem Druck aus Pistolen sandgestrahlt, was kleinste Abdrücke auf den weichen Lagen des Materials hinterlässt und diese dadurch mattiert. Das härtere Material wird durch die Sandkörner nicht beeinträchtigt und behält die hochglanzpolierte Oberfläche, so dass ein Kontrast aus matt und poliert entsteht.

3b:

Geätzter Damast: die Klinge wird in eine Ätzflüssigkeit getaucht. Diese reagiert stärker mit einem der zwei Materialien in den Seitenschichten, so dass ein Kontrast hellgrau / dunkelgrau entsteht.

Grafik Mehrlagenstahl im Querschnitt vor dem Prägen der Damaststruktur

1

Grafik Mehrlagenstahl im Querschnitt nach dem Prägen der Damaststruktur Wellen im Stahl

2

Grafik Mehrlagenstahl im Querschnitt nach dem Prägen der Damaststruktur und dem Schleifen Wellen im Stahl Lagen werden sichtbar

Alle Klingen aus Mehrlagenstahl haben eines gemeinsam - das Kernmaterial und damit der Messerstahl ist in der Mitte. Diese Lage definiert die Schneidleistung des Messers. Obwohl die Außenlagen in erster Linie der Optik dienen und keine Rolle beim Schneiden spielen, erfüllen sie durch das seitliche Abdecken des Kernmaterials eine Funktion. Da die Seitenlagen üblicherweise aus Stählen mit geringem oder ohne Kohlenstoffanteil produziert werden, sind sie sehr korrosionsbeständig. In Kombination mit einem korrosiveren Kernmaterial mit hohem Kohlenstoffanteil, schützen die Seitenlagen die Klinge so vor Korrosion.

 

Klingen aus Mehrlagenstahl in Damastoptik werden in unterschiedlichsten Konfigurationen produziert, von 33 bis 133 Lagen und mit diversen Materialkombinationen und Schichtdicken, die unterschiedliche Kontraste und Muster ermöglichen.

 

3-Lagen-Stahl

 

Bei einem 3-Lagen-Stahl decken Lagen eines billigeren, weicheren und korrosionsbeständigen Stahls einen Kern aus einem teueren, harten oder sehr korrosiven Stahl ab, mit den folgenden Vorteilen:

  • Schutz des korrosiven Kernmaterials

  • Einbetten des harten und spröden Kernmaterials und Verhinderung von Klingenbrüchen

  • Reduzierung der Materialkosten (Verminderung des Anteils des teuren Kernmaterials)

  • Reduzierung der Produktionskosten (die weichen Außenlagen sind einfacher zu schleifen)

 

Im Gegensatz zu einem Mehrlagen-Damaststahl wird 3-Lagen-Stahl nur aus funktionalen Gründen verwendet und hat i.d.R. einen Kern aus Pulverstahl oder Karbonstahl.

 

Monostahl mit Damast-Optik

 

Da eine Damastoptik mit Mehrlagenstahl die Kosten im Vergleich zu einem Messer aus Monostahl dramatisch erhöht, ohne entsprechende Vorteile in der Funktion, gibt es immer mehr Messer im Markt mit der simulierten Optik eines Mehrlagen-Damast. Diese Messer sind aus Monostahl gefertigt, mit einem durch Ätzen oder Lasern auf der Klinge aufgebrachten Muster. Dies ist ein kleiner und wenig kostenintensiver zusätzlicher Arbeitsschritt in der Fertigung eines Monostahlmessers, so dass die Produkte deutlich billiger angeboten werden können als Messer aus einem echten Mehrlagenstahl.

 

Ein Weg, die simulierte Damastoptik von der Echten zu unterscheiden ist die Regelmäßigkeit des Musters. Es ist fast unmöglich, Klingen aus echtem Mehrlagenstahl mit einem regelmäßigen Muster zu produzieren, so dass jede Klinge optisch fast ein Unikat ist. Sobald eine Damastoptik ein identisches Muster auf unterschiedlichen Klingen zeigt, handelt es sich um simulierten Damast.